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Christlicher Verein Junger Menschen - Landesverband Hannover e.V.

Willkommen arrow Rückblick arrow 20.03.2010 - Eine Woche in der Türkei Montag, 6. September 2010
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20.03.2010 - Eine Woche in der Türkei Drucken

Eine Woche in der Türkei,
das Mittlerland zwischen Orient und Okzident
hat dem Besucher viel zu bieten, bedeutende Kulturdenkmäler,
faszinierende Landschaften, orientalisches und europäisches Leben,
sowie eine exquisite Küche


Es war nicht verwunderlich, dass sich am 20. März auf dem Flugplatz in Hannover eine große Reisegruppe versammelte, um gemeinsam in die Türkei zu reisen. Das Land hat sich zu einem boomenden Reiseland entwickelt. Die Küsten im Süden und Westen des Landes sind touristisch erschlossen. Malerische Hafenstädte und Badeorte bieten ein breites Freizeit- und Sportangebot. Die weitläufige Landschaft ist beeindruckend. Hohe Gebirgszüge und Hügellandschaften wechseln sich ab. Es gibt geschäftige Handelszentren und verträumte Dörfer, Hirten, die ihre Ziegen oder Schafe weiden und Bauern, die ihre Äcker bestellen.

Die Fotos zu dieser Aktion gibt es hier

Nicht nur dem sonnenhungrigen Badeurlauber hat die Türkei etwas zu bieten, auch dem historisch und kulturell Interessierten vermittelt das Land mit seiner 4000-jährigen Kultur viele interessante Eindrücke.

Auf dem Flughafen Istanbul wurden wir schon von unserer Reiseleiterin Fercan erwartet. Sie hatte auch die erste Türkeireise vor 1 1/2 Jahren begleitet und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der damaligen Reise hatten sie in guter Erinnerung. Ihre angenehme Art, Interesse für Land und Leute zu wecken, ihre fundierten Kenntnisse bezogen auf Geschichte und Kultur des Landes gaben uns das Gefühl, gut informiert zu werden.

Die Türkei mit ihrem kleinen europäischen und sehr viel größeren asiatischen Teil ist etwa
2 1/2 mal so groß wie Deutschland und hat etwa 70 Millionen Einwohner. Anatolien ist der Name des asiatischen Teils, das bedeutet “Land des Sonnenaufgangs”. Bekannt ist, dass die Türkei zu den Erdbebengebieten gehört. Seismologen haben für die nahe Zukunft ein katastrophales Beben vorausgesagt. In 10 bis 30 Jahren würde der geologische Druck sich mit Macht entladen und Beben der Stärke 7 - 8 zur Folge haben. Wissenschaftler arbeiten an einem Frühwarnsystem.

Die Türkei als Schwellenland auf dem Wege zum EU-beitrittswilligen Staat bemüht sich, die Beitrittskriterien zu erfüllen, aber es wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Wirtschaft hat zu leiden unter dem West-Ost-Gefälle. Im Großraum Istanbul und in den Küstenregionen floriert die Wirtschaft. Es gibt Industriebetriebe für Textilproduktion, für Fahrzeugbau, Chemie, Maschinenbau und für die Elektrobranche. Im Landesinneren und im östlichen Anatolien ist wenig Industrie zu finden und auch die Landwirtschaft hat wegen des Klimas und der Bodenbeschaffenheit schlechtere Bedingungen.

Um weitere EU-Beitrittsbedingungen zu erfüllen, hat der seit 2002 amtierende Ministerpräsident Erdoan auch die Achtung der Menschenrechte auf seine Fahnen geschrieben. Im März 2003 erhielt Amnesty International die Genehmigung, ein Büro in der Türkei zu eröffnen. Die Organisation spricht von Fortschritten in Sachen Menschenrechte.

Neben all den berühmten Persönlichkeiten aus der Geschichte ist der “Vater der Türkei” Mustafa Kemal Atatürk im Lande sehr präsent. Man erblickt ihn auf Fotos und Bildern, als Büste und Denkmal, seinen Namen tragen Plätze und Schulen. Seine Reformen auf politischem, sozialem, rechtlichem und kulturellem Gebiet haben das Land aus der Vergangenheit in die Moderne geführt.

Der im Jahre 2003 gewählte Ministerpräsident Erdogan setzt sich für eine Trennung von Staat und Religion ein, betreibt eine pro-westliche Politik und strebt einen Beitritt der Türkei zur EU an. Er beschnitt die Macht der Generäle, zeigte sich kooperativ in der Zypernfrage und entschärfte den Kurdenkonflikt.   

Am ersten Tag unserer Rundreise ist Bursa, eine der Millionenstädte der Türkei, unser Ziel. Diese Provinzhauptstadt und Universitätsstadt liegt in einer fruchtbaren Schwemmlandebene im Südosten des Marmarameeres. Berühmt ist die Stadt für ihre Thermalquellen. Wir sehen uns die Moschee mit ihren 20 Kuppeln und zwei Minaretten an und besuchen den Seidenbasar. Abends besteht die Möglichkeit, im Hamam zu entspannen und Kraft zu tanken für den nächsten Tag. Pergamon steht auf dem Besichtigungsprogramm. Viele von uns kennen das gleichnamige Museum in Berlin mit seinem berühmten Zeusaltar, der im 19. Jahrhundert nach der Entdeckung und Erforschung des antiken Pergamon durch deutsche Archäologen in die deutsche Reichshauptstadt gelangte.

Die aus mehreren Terassen bestehende große Ausgraqbungsstätte von Pergamon auf einem Hügel über der Stadt Bergama ist eine der imposantesten Sehenswürdigkeiten der Türkei. Es fällt den Besuchern sicher nicht immer ganz leicht, sich vorzustellen, wie die Gebäude, Tempel und Paläste einmal ausgesehen haben. Eindrucksvoll ist heute noch zu erkennen die sehr steile Lage des Theaters. Auf dem Weg zum Hotel haben wir noch einen Blick auf die mächtige Ruine eines Ziegelsteinbaus. Die Rote Basilika oder Rote Halle war ein durch Kaiser Hadrian vermutlich dem Gott Serapis geweihter Tempel, der von den Byzantinern zur Kirche umgebaut wurde.

Auch am nächsten Tag gibt es in Troja wieder viel alte Steine zu sehen.Auf dem Weg nach Troja ist noch ein Pflichtprogramm zu absolvieren, der Besuch einer Teppichknüpferei. Vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt wurde uns die Entstehung eines Teppichs in sehr freundlicher Atmosphäre vorgeführt.

In seinem berühmten Werk “Der Trojanische Krieg” beschrieb der antike Dichter Homer den langjährigen Krieg zwischen Griechenland und Troja. Die erste Besiedlung Trojas geht zurück auf das dritte Jahrtausend v.Ch.. Aus Grabungen geht hervor, dass eine Ansiedlung aus großen, langen Häusern bestanden hat. Diese Siedlung mit einem Durchmesser von 90m fiel einem Feuer zum Opfer. Die Stadtmauer ist erhalten, von den Häusern existieren jedoch nur noch Bruchstücke. Die weiteren Besiedlungen des Hügels wurden jeweils größer ausgedehnt und fielen ebenfalls dem Feuer zum Opfer. Insgesamt gab es nach heutiger Erkenntnis neun Besiedlungen übereinander, die letzte reichte bis 500 J. n. Chr.. Der von dem deutschen Forscher Heinrich Schliemann gefundene Schatz des Priamos zeigt auch Spuren einer Brandkatastrophe. Schliemann unternahm von 1871 bis 1890 mehrere Ausgrabungen. Er ließ, dem damaligen Wissensstand entsprechend, in Nord-Süd-Richtung einen Graben ausheben, bei dem viele Spuren für immer zerstört wurden.  Der Kampf um Troja, von Homer nach mündlichen Überlieferungen aufgeschrieben und in einer teuren Hollywood-Produktion verfilmt, ist immer noch von großem Interesse.

Nach so viel Altertum wenden wir uns jetzt der 15-Millionen-Stadt Istanbul zu. “Die Steine und der Boden Istanbuls sind aus Gold”, sagt ein türkisches Sprichwort. Wirtschaftliche Gründe sind es wohl vor allem, warum ein Fünftel der türkischen Gesamtbevölkerung in Istanbul, der Weltstadt auf zwei Kontinenten, oder deren Einzugsgebiet lebt. Für viele Türken ist die Metropole am Bosporus die heimliche Hauptstadt des Landes.  Bis zur Eroberung durch die Osmanen 1923 war die damals Konstantinopel genannte Stadt auch die Hauptstadt des Landes. Mit einem Bevölkerungszuwachs von etwa 3% kämpft die Metropole mit den Folgen einer extremen Landflucht der Provinzbevölkerung.

Mit großer Sicherheit chauffierte uns der Busfahrer durch die verkehrsreiche Stadt und Fercan wies uns auf historische Bauten hin. Unser Besichtigungsprogramm begann mit dem Besuch der Sultan-Ahmet-Moschee aus dem 17. Jahrhundert mit sechs ungewöhnlich spitzen Minaretten. Die Iznik-Kacheln gaben dem Gebäude auch den Namen “Blaue Moschee”. Mittagessen mit Blick auf den Bosporus und der Besuch des Gewürzmarktes rundeten den ersten Besichtigungstag in Istanbul ab. Für den zweiten Tag stehen die Eyüp Moschee und die Hagia Sofia, einst Wahrzeichen von Konstantinopel und des christlichen Glaubens auf dem Programm. Ein Einkaufsbummel am Takzim Platz und eine Folkloreveranstaltung am Abend ergänzen eine gelungene Türkeireise.

Es geht das Gerücht, dass es nicht die letzte Türkeireise des CVJM war. Kappadokien in Verbindung mit Ankara wäre sehr sehenswert. So Gott will und wir leben, wir wären dabei.

Auf diesem Wege noch einmal herzlichen Dank an Henning und Erika für die Organisation und an alle Mitreisenden für die freundliche Begleitung. Es war eine wunderbare Reise.

Ingrid und Wolfgang Buchholz

 
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